Alle Artikel in: Reisen

Chili versus Pestizide

„Ihr müsst die Erde erst gesund machen, bevor ihr den Tabak pflanzt“, sagt der Pestizid-Verkäufer und die Campesinos tränken das Feld mit Chemie. „Ihr müsst die zarten Wurzeln vor den bösen Krankheiten schützen!“ warnt man sie und die Babypflanzen werden in Chemie getunkt, bevor sie ins Feld gesetzt werden. „Seltsam, mein Vater machte das alles ohne Chemie!“ sagt der Tabakbauer, dem ich ein Video mit einer Mexikanerin zeige, die im Gebiet der Chiapa-Indianer mit organischer Schädlingsbekämpfung arbeitet: einer Mischung aus Knoblauch, Chili und gemahlenen Blättern eines einheimischen Baumes. Da fallen dem Campesino gleich mehrere Methoden seiner Ahnen ein. “ Vielleicht hilft das ja beim Tabak?“ frage ich ihn… In Estelí hat die Familie Plasencia ihren ersten „organischen Puro“ rausgebracht, ich finde er schmeckt hervorragend! Gibts demnächst auch bei uns im La Galana!  

Die Rache des Pharaos

Ich habe Lilly aus ihrem Dorf gekidnappt. Wir sind vier Stunden mit einem kleinen Bus über Schlaglöcher gerumpelt bis nach Copan Ruinas, einem pitoresken Dörfchen nahe der guatemaltekischen Grenze. Unser Hotel hat den pompösen Namen Akropolis Maya und ich begleite Lilly bei etwas, was ich für LA GALANA noch nie getan habe: Vertrieb! Und es funktioniert! Die Kunsthandwerkläden präsentieren gerne auch Zigarren, die nach echter Maya-Art gerollt werden! Man schenkt uns ein Paket „Cigarros Rusticos“  die auch Lillys Vater herstellt und bemerken beim Schnuppern eine Mischung aus Aromen von Stroh an Schimmel. Wir öffnen das gute Stück und das glänzende Burlydeckblatt gibt triste von Schimmel verklebte Tabakstücke frei. Tja! Man muss aufpassen was man raucht! Und isst! In der Nacht erwischt mich „el turista“ in anderen Weltgegenden als „Rache des Pharaos“ bekannt und ich verbringe eine unschöne Nacht und schleppe mich trotzdem am nächsten Tag auf Gummibeinen zu den Mayaruinen… die mich für alles entschädigen. Ein riesiges Stadion für rituelle Ballspiele, Tempel, Pyramiden und Tunnel, die angeblich bis nach Guatemala führen. Doch der Tabak ruft …

Lilly – Tabakerbin der Maya

Ich habe nach alten indianischen Tabakritualen gesucht und Lilly gefunden. 27 Jahre jung, herbe Schönheit mit schwarzen wallendem Haar, ihre Vorfahren eine Mischung aus Spaniern und Maya. Sie ist verliebt in den Tabak, den die Familie seit Generationen anbaut und betört von den Naturaromen, die sie nach geheimen Rezepten herstellt, lebt mit der Familie in einem 3000 Seelendorf mitten im Mayaland und heisst mich in ihrer Welt willkommen. In der Kirche gegenüber ihres Hauses am unbefestigten Dorfplatz soll ein schwarzer Christus zu finden sein, einer von zweien in ganz Lateinamerika, der zweite befindet sich einige Stunden entfernt in einem guatemaltekischen Dorf. Ich werde ihn besuchen, aber vorher fahren wir zu den berühmten Mayaruinen von Copán und rauchen ein paar selbstgerollte Zigarren unterm Sternenhimmel…

Goddies

Honduras im libanesischen Schnellrestaurant

Als ich vor 2 Wochen mein Flugticket nach Panama und Honduras gekauft hatte, ging ich direkt von meiner Kölner Reiseagentur Höhenflug zum libanesischen Schnellrestaurant Goodies, beide in der Venloerstrasse. Reisepläne machen hungrig! Und das Essen bei Goodies hat Suchtpotential! Ich trank gerade einen süssen Schwarztee, als ich hinter mir das Wort „Honduras“ hörte. Der Wirt Wissam sprach mit einem Gast. Ein Honduraner! Der erste, den ich im Leben traf! Ich erzählte von meiner Reise, er setzte sich mit seiner charmanten französisch-libanesischen Ehefrau an meinen Tisch und stellte via Whatsapp Kontakt zu seinem Studienfreund Hector her, der in Tegucigalpa lebt. Gestern traf ich von Panama kommend hier ein; Hector holte mich mit seiner Frau am Flughafen ab und brachte mich mit seinem Jeep zur Haltestelle des Fernbusses nach San Pedro Sula. Das sind diese Sternstunden des Reisens, wenn sich alles wie ein von magischer Hand gespieltes Puzzle zu einem unvergesslichen Bild zusammensetzt!

Panamakanal

Mit dem Kreuzfahrtschiff durchs Nadelöhr

Keine Sehenswürdigkeit beeindruckt mich so sehr wie die  Begegnung mit den Vertretern einer eigenen Spezies namens „Reisende“. Diesen Menschen begegne ich im Alltag nie, wohl aber in der Weltgeschichte und zuhause im LA GALANA Zigarrensalon. Da landen sie an, laufen auf, trudeln ein, lenken ihre Schritte in einen schützenden Hafen, für ein paar Stunden. Wer ihnen sein Ohr leiht und die richtigen Fragen stellt, dem öffnen sie ihre Schatztruhen und lassen einen teilhaben an ihren gesammelten Geschichten, ihrem ganzen Hab und Gut. Kein Wunder, dass ich – die geborene Geschichtensammlerin – eine heimliche Liebe zu ihnen pflege. Und was man liebt, das zieht man an, so heisst es in Büchern wie zum Beispiel „The Secret“. Letztes Jahr begegnete ich in einem altehrwürdigen Luxushotel in Granada am Nicaraguasee einem Franzosen, der in geheimer Mission unterwegs war.  Offiziell als Grundstücksmakler, inoffiziell als Reporter und Dokumentarfilmer, der einen Film über den ersten Plan eines Kanals durch Mittelamerika plante, durch den Nicaraguasee hindurch, es wäre das kürzeste Stück Land gewesen, das man hätte durchbrechen müssen. Und nun treffe ich …

Tegucigalpa

Auf nach Tegucigalpa!

Auf geht’s zum nächsten Ziel – nach Tegucigalpa – den Namen muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen – probiert’s aus! So heisst die Hauptstadt des Landes Honduras vor dessen Besuch mich, seit ich hier in Panama bin, schon mindestens 5 Leute gewarnt haben. Meine diversen Ansprechpartner dort – echte Hondurenos – sagten dazu folgendes: 1. Die lügen alle 2. Unser Land ist wunderschön 3. Dir wird hier nix passieren, das garantiere ich 4. Mein Papa ist erstaunt und enttäuscht über diese Gerüchte 5. Warum spricht man so schlecht über uns? Ich weiss es nicht. Muss es wohl selber rausfinden… Werde Euch berichten! Hasta pronto!

Adiós mein geliebtes Köln

Adiós mein geliebtes Köln… Adiós meine Heimat La Galana… Adiós meine wunderbaren Galanas Patti, Magaly und Saskia… Das Abenteuer ruft mal wieder. Einen Monat lang werde ich mich in Panamá und Honduras umsehen und dabei tief in das Gebiet der Maya eindringen, einen kleinen Ort mit unaussprechlichem Namen besuchen, wo ich gewisse Geheimnisse des Tabaks ergründen will. Ich halte Euch auf dem Laufenden! Eure Annette

Schnell und wütend

Ich hätte ihn fragen sollen, was es mit diesem Werbespruch auf sich hat. Aber sein Charisma, die feine Linie seines Schnurrbartes, die mandelförmigen dunklen Augen und der schwarze Lederhut beeindruckten mich so, dass mir die Frage erst einfiel, als wir zurück im Stadtzentrum Matagalpas waren. Die erste Zeile seiner Firmenbezeichnung lautete Schuhklinik. Sie war von Hand auf sein Firmenschild gemalt: eine Sperrholzplatte mit zwei kleinen Löchern, an einer Paketschnur aufgehängt. Der Laden maß knapp zwei Quadratmeter, eine Wellblechhütte mit Auslug zur Straße. „Wie läuft das Geschäft?“ fragte ich den Gaucho. „Hervorragend“, lachte er. „Es gibt immer viel zu tun!“ Ein einzelner Kindersportschuh hing an eine Schnur geknüpft im Fenster, im Hintergrund an der Wand prangten zwei schicke, wenn auch abgenutzte Damensandaletten. „Darf ich reingucken?“ Er winkte mich zu sich und zeigte mir einen Teil seiner Ausrüstung. „Sehen Sie, diese Laubsäge? Damit schneide ich die hohen Absätze ab.“ Die anderen Werkzeuge konnte ich nicht richtig zuordnen, geschweige denn erkennen. Einige Schnüre und Drähte, ja, ein Teppichmesser, der Rest wirkte wie die Miniatursammlung eines Messies. Er jedoch …

Von der Tarantel gestochen

„Tarántula“ sagt Jorge und hebt die handtellergroße Spinne an einem ihrer haarigen Beine vom Boden auf. Ich wage mich nicht zu rühren. Sein Bruder Amado folgt uns in ein paar Metern Entfernung, da schleudert Jorge das Tier direkt gegen dessen Shorts. Er entwischt, der Schrei. Jorge kichert haltlos vor sich hin, Amado wirft einen trockenen Ast in unsere Richtung. Nicaraguanischer Familienspaß. „Warum bist du so bleich, Annette? Du bist doch von Natur aus schon weiß genug,“ schmunzelt Jorge. „Sie ist tot! Und selbst wenn sie leben, tun sie nichts.“ Er hebt sie auf, hält sie mir vor’s Gesicht. „Du hast doch keine Angst, oder?“ Gänsehaut. Sie rührt sich nicht, ich mich auch nicht, vielleicht ist sie ohnmächtig oder ich werde es gleich. „Die sind doch irre gefährlich!“ erkläre ich, aus Versehen auf Deutsch. „Oder ist sie harmlos, weil tot?“ „Für Menschen sind sie ungefährlich“, erklärt Jorge und ich beschließe, das zu googeln, sowie ich wieder Internet habe, was in diesen Gegenden Nicaraguas etwas dauern kann. Im Dorf belagere ich Jorges Vater Don Carlos, einen wettergegerbten …

Der Barbierbesuch

„Hinten wird mir schwindlig!“ mit diesem Hinweis ergattere ich oft den Beifahrersitz und eine weitere Reisedimension: die Welt des Mannes am Steuer. Meine unermüdliche Fragelust hält den Busfahrer wach, das Interesse an seiner Person versetzt ihn in Stimmung, die Fahrgemeinschaft profitiert. Wie ein Staubsauger verschlinge ich hingeworfene Kurzinfos, Scheibchen von Lebensweisheiten und Anekdoten am Stück, füge gedanklich Puzzlestein zu Puzzlestein und bin gespannt, welches Bild am Ende heraus gespuckt wird. Juan arbeitet erst seit drei Monaten bei NicaTravel. Die Minibus-Agentur gehört einem Chinesen mit nicaraguanischer Ehefrau und bedient ein Netz von Reisezielen, die vor allem von Backpackern angesteuert werden. Er ist seinem neuen Arbeitgeber dankbar für geregelte Fahrtzeiten, nagelneue Fahrzeuge und einen respektvollen Umgang. Das war nicht immer so. Seine Geschichte beginnt und endet beim Barbier. „Ein Mann kann einen anderen Mann nicht erniedrigen“, sagt Juan. „Nur Gott kann das tun!“ Meint er Mann, oder Mensch? Wenn man auf Spanisch von Menschen im Allgemeinen spricht, benutzt man ein und dasselbe Wort: hombres. Doch der Spruch, den ich in Nicaragua schon öfter gehört habe, ist gefärbt …